Der „Spiegel“ hat zum Jahresende auf seiner Onlinepräsenz eine „Bilanz zum Prostituiertenschutzgesetz“ veröffentlicht. Seinen steten Ruf, nahe am Boulevard zu publizieren, wird er damit aber nicht los. Kaum verwunderlich, hat das Magazin noch nie wirklich professionell oder gar investigativ über das Thema Sexarbeit geschrieben.

Und die vorgebliche Bilanz ist eher ein journalistisches Armutszeugnis: Ein flüchtiger Blick nach Hamburg, Bremen und NRW, ein kurzes Zuwortkommenlassen eines Behördenleiters, einer Leiterin einer Fachberatungsstelle und einer Kriminalhauptkommissarin, sowie ein paar wager Zahlen und Vermutungen. Keine 90 Zeilen später ist auch schon alles vorbei.

Eigentlich hätte Autor J.-P. Ziegler es auch beim Aufmacher „Mit einem neuen Gesetz sollen Prostituierte besser geschützt werden. Kritiker sagen, dass es Frauen in Notlagen nicht erreicht. Dennoch kann das Gesetz eine Chance sein.“ belassen können. Denn mehr Inhalt hat’s nicht. Die angekündigte Chance beruht übrigens allein auf einem Fallbericht der Kripobeamtin, wonach einmal einer Prostituierten während der Gesundheitsberatung zu einer Anzeige eines Freiers geraten wurde. Weil der Mann in der Folge auch verurteilt wurde schließt Herr Ziegler sogleich „Ohne das Gesetz wäre er vermutlich davongekommen.“.

Jaja, es ist wie kurz nach dem Aufstehen: Man sieht in den „Spiegel“, schüttelt den Kopf und ärgert sich über das Gebotene.

Und hier geht’s zum Artikel: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/prostituiertenschutzgesetz-so-ist-die-bilanz-nach-eineinhalb-jahren-a-1244571.html