„Die Venus 2012 ging am Sonntag zu Ende. Vier Tage lang stand in Berlin Erotik, Sex und Lifestyle ganz oben auf dem Programm. Wirklich Neues oder Überraschendes konnte die internationale Fachmesse jedoch nicht bieten. Auch könnte man meinen, dass das polarisierende öffentliche Interesse verloren gegangen ist. Innovationen suchte man vergeblich, Skandale waren eher Skandälchen, die Pornobranche feierte sich wie in all den Jahren in gewohnt vorhersehbarer Art selbst und einige etablierte Unternehmen der Sex-Industrie blieben der Venus komplett fern.

Jedenfalls fällt unser Fazit […] doch relativ ernüchternd aus. Gut, für einen großen Teil der Konsumenten hat sich der Besuch sicherlich gelohnt – viel nackte Haut, eine Menge Shows, prominente Darsteller und Models hautnah erleben, hunderte Produkte rund um das sexuelle Vergnügen. Auch für die Aussteller […] und Fachbesucher war die Venus bestimmt weitgehend erfolgreich.
Aber was fehlte? […]“

… Wortgetreu beginnt genau so unser Kommentar aus dem Jahr 2012. Heute, sechs Jahre später kann man das getrost so stehen lassen, teilweise sogar noch überspitzen.
2013 waren wir dann selbst mit einem Stand dabei (damals noch unter dem Namen „Rotlicht-MV.de“). Und trotz einigen Lobes fanden wir wieder einige nicht von der Hand zu weisende Kritikpunkte:

„… die immer wieder – vor allem von einigen Stammbesuchern – aufkamen. So wurde hin und wieder die Minimierung der Messefläche oder das Fehlen von internationalen Stars aus Übersee bemängelt. Aber das ist sicherlich ein Punkt, den es in Zukunft zu Lösen gilt. Denn nicht nur bei den DarstellerInnen fehlte es an US-Prominenz, auch immer mehr Fachhändler und Unternehmen haben sich in den letzten Jahren zurückgezogen (das haben wir ja schon 2012 festgestellt), womit die Venus einiges von ihrer einstigen Größe eingebüßt hat.“

Auch an diese Aussage schließen wir uns heute an.

Nach der Venus 2018 ist vor der Venus‘ Niedergang?

Nach 2013 waren wir nun erneut als Aussteller in den Berliner Messehallen unterm Funkturm zugegen. Diesmal als Teil des Gemeinschaftsstandes „Zukunft Rotlicht“. Doch wenngleich es Spaß gemacht hat und wir uns gut präsentieren konnten, eine Zukunft der Venus sehen wir nicht. Zumindest nicht über ein paar wenige Jahre hinaus. Nur ein paar Beispiele:

  • Einen Skandal brauchte es natürlich wie jedes Jahr. Und dieses Mal war es sicherlich kein Marketing-Gag. Wenngleich der Aufschrei auch 2018 ziemlich klein blieb… Der Grund: Domina Charlize.  Die Hamburgerin, die vor allem wegen ihrer großflächigen Tattos ins Auge sticht, hat da nämlich eines, über das man nicht so einfach hinwegsehen sollte. So prangt gut sichtbar auf ihrem Oberschenkel, in Teilen versteckt hinter einem Totenkopf, ein Hakenkreuz. Die Erklärung der Hamburgerin indes ziemlich Hahnebüchen…
    Wie die Folgen für sie aussehen? Neben dem Imageschaden und dem deutlichem Protest ihrer Kolleginnen und des Veranstalters muss sie auf jeden Fall mit einer Geldstrafe rechnen. Rein rechtlich könnte gar eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren auf sie zukommen.
  • Es waren noch einmal spürbar weniger Fachaussteller zugegen. Schon allein wegen der plötzlich breiteren Gänge und größeren Freiflächen muss das am Ende jeder gemerkt haben. Von den Besuchern bekam man in diesem Zusammenhang oft den Unmut über die verhältnismäßig hohen Eintrittspreise zu hören.
  • Naja, es gab ein Penis-Rodeo. Aber ob der riesige rosa Phallus die Erotikmesse aufwertete und deren Zukunft retten kann, darf angezweifelt werden.
  • Von vielem gab es weniger. Eine spezielle Gruppe von „Personen“ war aber deutlich größer geworden. Sexdolls. So sind die uns immer ähnlicher sehenden Puppen (von einigen Proportionen mal abgesehen) mittlerweile kein Kuriosum mehr. Wohin das führt? Wer weiß. Und vielleicht wird die Fachmesse ja schon bald umgetauft in „Automata Erotika“ oder so ähnlich. 😉
  • Und auch im 7. Jahr in folge zeigt Micaela Schäfer Gesicht. Repräsentantinnen waren nun zwar auch drei weitere Damen, aber seien wir mal ehrlich. Außer einem Teil der Pornokonsumenten und/oder Webcam-Zuschauer sind die niemandem ein Begriff. Ja sie sahen allesamt lecker aus, aber um die Messe national und international schmackhaft zu machen reicht das nicht. Und Micaela? Auch sie wird die Venus nicht retten können. Aber wo wir gerade bei der Namensänderung waren. Wie wäre der Wechsel von „Venus“ zu „Micaela“?
  • Die Zeiten einer unübersichtlichen Masse an verliehenen Venus Awards ist dankenswerter Weise passé. Zu viele Preise sind es aber noch immer. Was die ganze Preisverleihung aber überhaupt zur Farce werden lässt, ist die im Raum stehende Käuflichkeit der Trophäen. Da hat sich 2018 nichts zu 2012 geändert.
  • Von Veranstalterseite ist 2018 folgendes über die Messe zu lesen: „Mit durchschnittlich 250 Ausstellern aus mehr als 40 Ländern zählt die VENUS weltweit zu den größten internationalen Fachmessen dieser Art.“
    –> Dass zu den 250 Ausstellern aber auch die ganzen Pornosternchen zählen, das wird natürlich nicht erwähnt. Vor allem, wo ist denn die weltweit größte Erotikmesse geblieben? in 3 Jahren wird wohl nur noch „die VENUS ist eine Erotikmesse“ zu lesen sein.
  • „Mehr als 30.000 Besucher nutzen die Messe genauso wie Fachhändler und internationale Journalisten, um sich über die neuesten Trends zu informieren“, heißt es auf der Webseite des Veranstalters. Das war vorher. Nach der Messe wurde eine deutlich geringere Besucherzahl veröffentlicht. Nur 27.481 sollen es offiziell gewesen sein.

Tut sich nichts, dann geht die Spirale sicherlich weiter. Weniger Fachhändler –> weniger Besucher –> weniger namhafte Aussteller und Pornosternchen–> weniger Gäste –> höhere Eintrittspreise –> weniger Messebesucher…

rde