„Wir begehren! – Sex und Hurerei in der Menschheitsgeschichte“ Teil 3

Hurerei, Seitensprünge und Ehebruch, Vielweiberei, Orgien, Nymphomanie, sexuelle Eskapaden, Fetischismus… das sind keine Erfindungen heutiger Tage, das hat es schon immer gegeben! Prostitution ist kein Problem, sondern ein Arragement. Sadomasochismus gehört genauso zu unserer Sozial- und Kulturgeschichte wie die Verwendung von Sexspielzeugen. Leidenschaft ist nichts, was einzig verheirateten Paaren vorbehalten ist… . Seit Anbeginn der Geschichtsschreibung gibt es Zeugnisse dafür, dass der Mensch ein lüsternes, sexuell freizügiges und vergnügungssüchtiges Wesen ist. Weder selbsternannte Moralapostel noch von irgendwem beauftragte Sittenwächter haben dies ändern können.

Dass eine gesunde Gesellschaft aber immer auch einer sexuellen Vielfalt bedarf, ist für viele Menschen leider schwer zu verstehen. Mit der Reihe „Wir begehren! – Sex und Hurerei in der Menschheitsgeschichte“ möchte ich versuchen, aufzuklären, Blickwinkel zu erweitern, unverkennbare Parrallelen zur Gegenwart aufzuzeigen, zu einem liberalen Denken zu ermutigen.

 

Teil 3: Ninon de Lenclos – Kurtisane und Urmutter der Galanterie

Eine der einflussreichsten Französinnen des 17. Jahrhunderts war eine Kurtisane, also eine dem Adel und Hochbürgertum für Liebesdienste zur Verfügung stehende Frau. Anne „Ninon“ de Lenclos (1620 – 1705) war ihr Name. Denn es war sozial akzeptiert und gewollt im Barocken Europa, dass sich Männer von Stand mit Mätressen und Kurtisanen umgaben. Und ganz nebenbei verstanden es diese oft geistreichen und kultivierten Frauen dann noch, ihre Liebhaber in allen Lebenslagen zu beeinflussen. Ninon, Salonhure, femm fatale und Urmutter der Galanterie war eine dieser Frauen. Und sie brachte es weit, war begehrt bei den Männern, umgab sich mit dem „who is who“ der Pariser Highsociety. Ihr Name war Programm am Hofe Ludwigs des XIV., dem für seine sexuellen Ausschweifungen, Extravaganzen und Exzesse bekannten „Sonnenkönig“. Ihr wird nachgesagt tausende von „Beziehungen“ gehabt zu haben. Quellen zufolge soll sie bis ins hohe Alter von über 80 Jahren noch von Verehrern umgarnt worden sein. Ninon brachte es aber vor allem soweit, weil sie es verstand mit Intelligenz, Sprachwitz, Schöngeistigkeit und Philanthropie zu überzeugen. Ihr Salon in der Rue des Tournelles entwickelte sich zu einer der wichtigsten Kontaktadressen der Pariser Gesellschaft (u.a. Literaten, Militärs, Politiker). Zu Ninons Bekanntschaften gehörten Belegen zufolge auch Molière, François de La Rochefoucauld, Charles de Saint-Évremond… . Mit zunehmendem Alter unterhielt sie vermehrt Freundschaft zu angesehenen Damen, darunter insbesondere zu Ludwigs berühmter Mätresse und „Zweitfrau“ Madame de Maintenon.

Übrigens, abseits von Erotik und Lust: über 80-jährig wurde Ninon dem Gymnasiasten Voltaire – der später zu einem der einflussreichsten französischen Schriftsteller und Philosophen avancierte – vorgestellt. Angetan von dem Knaben wurde Ninon zu seiner Mäzenatin (Gönnerin/ Geldgeberin).

Ninon soll einst formuliert haben: „Liebe ist eine Leidenschaft, die keine moralischen Verpflichtungen nach sich zieht.“ Hingegen sah sie die Freundschaft als ein Gefühl an, das ernsthafte Verbindlichkeiten mit sich brachte und welches heilig zu halten sei. Bis zu ihrem Tod war Anne „Ninon“ de Lenclos nie verheiratet.

 

Quellen:
– Reinhold Dörrzapf: „Eros, Ehe, Hosenteufel – Eine etwas andere Sittengeschichte“, München 1998
– Seite „Ninon de Lenclos“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 24. April 2015
– Käthe Schirmacher: „Voltaire“. 1898

 

Hier geht’s zu den vorangegangenen Teilen der Reihe:
1. Teil: „Das „Nymphia“: Bordell der Superlative eröffnet 1899“
2. Teil: „Theresa Berkley – Die Königin ihrer Profession

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