Frauenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion deklassiert sich selbst

Sie ist emanzipierte Sexworkerin, Youtuberin (Kanal: „Wissen. Macht. Sex.“) und für die Öffentlichkeitsarbeit beim BesD mitverantwortlich. Seit einigen Jahren setzt sich die Hamburgerin Josefa Nereus bereits für die Belange der Prostituierten in Deutschland ein. Ihren bürgerlichen Namen gibt sie jedoch nie öffentlich preis.

Er ist ebenfalls Hamburger. Dazu CDU Politiker, Mitglied des Deutschen Bundestages und seit 2014 frauen-/familienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Die „Verdienste“ von Marcus Weinberg: er hat das Prostituiertenschutzgesetz mitzuverantworten. Einen Künstlernamen braucht er hingegen nicht. Versteht aber auch gar nicht, warum das bei anderen anders ist.

Die beiden „Zeit“-Autoren Ruth Eisenreich und Luisa Hommerich haben nun für Zeint Online ein Gespräch mit beiden geführt. Und die überfette Überschrift, ein Zitat Nereus‘ in Richtung Weinberg, sagt einfach alles: „Menschen wie Sie haben keine Ahnung“.

Nun mag man vielleicht meinen, ein gestandener Politiker und Wegbereiter eines Gesetzes, dass sich dem Namen nach um die Sicherheit einer ganzen „Berufsgruppe“ kümmert, kann einen solchen Vorwurf mit Fachwissen und stichhaltigen Argumenten entkräften. Wer aber bereits Weinbergs Reden vor dem Bundestag kennt, als das Gesetz noch von Entwurf zu Entwurf kreuchte, der lacht hier einmal schnell auf. Denn natürlich kann er es nicht. Weder besitzt er Fachwissen, noch ein wirkliches Interesse daran, Prostituierten zu helfen, ihre Tätigkeit zu entkriminalisieren, zu entstigmatisieren oder gar Ausstiegswilligen ernstgemeinte, also realistische Auswege zu finanzieren.

Was aber macht Weinberg?

Er ist: selbstverliebt, unverschämt, dumm, kurzsichtig, starrsinnig und unbelehrbar. Kritik übergeht er schlicht mit Themenwechseln. Er kommt schnell mit Schuldzuweisungen in Richtung Rot-Grün, Verantwortungsbewusstsein fehl am Platz, gebraucht einstudierte Worthülsen, verbreitet Stereotypen, Klischees, ist offenkundig voller Wissenslücken. Während er in süffisanter Weise, zwischen den Zeilen Nereus‘ Kompetenz und Einsicht ins Milieu abspricht, gibt er an anderer Stelle sogar zu, selbst noch nie einen Erotikführer (Werbeportal für Prostituierte) o.ä. betrachtet/besucht zu haben. Man beachte noch einmal: Er ist einer der Mitverantwortlichen des ProstSchG!

Die Sache mit den Schnellrestaurants…

Natürlich bleibt auch das Pommesbuden-Argument nicht aus. Allerdings schreibt er es Manuela Schwesig zu und gibt entsprechendes „Zitat“ sogar noch falsch wider. Vor allem weil er Würstchenbude sagt.
Nur: Das Zitat stammt ursprünglich gar nicht von Schwesig. Ja, sie gebrauchte es seit August 2014 häufiger. Im Selben Zeitraum machte aber auch der damalige CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Strobl, also Weinbergs Fraktionsgenosse, Gebrauch von dem Vergleich. Strobel sagte gegenüber der „Welt“ übrigens Wurstbude.

Vor diesen beiden outete sich aber schon eine andere als Fan von Schnellrestaurants: „Denn derzeit ist es einfacher ein Bordell zu eröffnen als eine Pommesbude“, ließ die Jungpolitikerin Nadine Schön in einer Pressemitteilung verlauten. Und Schön ist: natürlich eine weitere Partei- und Fraktionsgenossin Weinbergs.

Zuzuschreiben ist das Zitat aber wohl dem CSU-Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Uhl. Bereits 2013 wollte dieser genau wissen, wie leicht es Bordelle haben, entsprechende Genemigungen zu erhalten. Uhl machte damals gegenüber dem Focus übrigens Gebrauch vom Begriff Imbissbude.
Was aber viel interessanter ist, ist dass der bekennende Prostitutionsgegner Uhl ebenfalls zusammen mit Weinberg am ProstSchG schusterte.

Zurück zum Interview. Das Fazit ist schnell gegeben: Marcus Weinberg deklassiert sich selbst! Mal wieder.

Letztendlich ist das Interview für die Katz. Einem selbstherrlichen, sturen und unbelehrbaren Machtmenschen wie Weinberg ist mit konsequenzlosen Worten nicht beizukommen. Da könnte Josefa Nereus auch mit allen Erkenntnissen aus Forschung und Sozialarbeit kommen, mit Unterschriften von tausenden Sexworker_innen. Allein weil Weinberg ja null Interesse hat, aktiv Einblicke ins Milieu zu bekommen; ihm reicht sein Klischee-Wissen…

Siehe dazu auch noch einmal die Bundestagsdebatte zur Regulierung des Prostitutionsgewerbes vom Juni 2015 (nur wer diese Farce noch einmal über sich ergehen lassen will): https://www.youtube.com/watch?v=RDZt_RwcaVg

 

rmv