Beihilfe zu Zuhälterei, Beihilfe zu schwerem Menschenhandel und Betrug

Nun sind die Urteile gefallen. Im Prozess gegen den 65-jährigen Paradise-Chef Jürgen Rudloff und dessen früheren Marketingleiter Michael Beretin (52) sind beide Männer schuldig gesprochen worden. Den Bordellbetreibern wurde nach 56 Verhandlungstagen Beihilfe zu Zuhälterei, Beihilfe zu schwerem Menschenhandel und Betrug nachgewiesen. Laut Staatsanwalt sollen sie mit Vertretern der Rockerbanden „Hells Angels“ und „United Tribuns“ kooperiert haben, damit im Bordell auch immer genügend Prostituierte anwesend waren. Etliche der von den Rockern in das Bordell gebrachten Frauen, seien aber von ihren Zuhältern brutal misshandelt und zur Prostitution gezwungen worden. Ihr Geld mussten sie außerdem vollständig an ihre Peiniger abgeben. In der Zeit zwischen März 2008 und Dezember 2014 sollen um die 21 Frauen betroffen gewesen sein.

Das Stuttgarter Landgericht verurteilte Rudloff nun zu einer eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren sowie einer Rückzahlung von 1,3 Millionen Euro aus seinem Vermögen. Beretin erhielt drei Jahre und drei Monate. Ein weiteres Urteil wurde gegen Rudloffs ehemaligen Steuerberater gesprochen. Die Strafkammer verhängte eine einjährige Bewährungsstrafe. Alle drei hatten zuvor umfangreiche Geständnisse abgelegt. Der Stuttgarter Zeitung zufolge bezeichnete Oberstaatsanwalt Peter Holzwarth das Geständnis Rudloffs als respektabel.

Wie und ob es mit der Bordell-Kette weitergeht, ist in den Medienberichten indes nicht zu lesen.

Gefundenes Futter für Prostitutionsgegner

Wie zu erwarten ist der Prozess eine gefundenes Fressen für Prostitutionsgegner aller Couleur. Die Stuttgarter Abolitionistin Sabine Constabel hält das Urteil für politisch wegweisend: „Künftig können sich Bordellbetreiber nicht mehr damit rausreden, dass sie nur Zimmer vermieten. Mit der Mär der sauberen Prostitution wurde aufgeräumt“, wird sie von der faz zitiert. Der selben Worte bedient sich u.a. auch die Autorin und Berichterstatterin Hilke Lorenz.

Gleich einen ganzen Bericht hat die „EMMA“ verfasst. In der Aktuellen Ausgabe der Frauenzeitschrift wird dann auch verklärend behauptet, Rudloff sei ein „Talk-Star“ gewesen. Um der ganzen Storry ausreichend Gewicht zu geben berichtet die EMMA-Redakteurin Chantal Louis aber weniger über Hintergründe oder die Vielschichtigkeit der Sexarbeit. Warum auch. Sie konzentriert sich derweil lieber ausschweifend und detailgenau auf die frauenfeindlichen Taten eines im Prozess angehörten, verurteilten Gewalttäters und Zuhälters. Lässt ihre Leserinnen mitleiden nur um auch noch deren letztes Fünkchen Neutralität zu zerstören. Denn mit negativen Emotionen, Entsetzen, Geschichten über die besonders abartigen Auswüchse des Menschlichen Männlichen lässt sich ja auch viel besser Meinung machen… Ja, bei der EMMA findet man alles was mit Sexarbeit zu tun hat ist schwarz und böse. Ohne Außnahme. Sexworkerinnen (andere gibt es nicht) sind immer gezwungen und immer psychisch geschädigt, immer hilfebedürftig, zu bemitleiden und unselbständig. Und diese durchweg triebgesteuerten und machtversessenen Männer? Die sind eben Täter. Nicht einzelne. Alle.

Das nun das von jenen Hardcore-Feministinnen suggerierte gesellschaftliche Umdenken kommt oder der Prozess politisch wegweisend sei, darf aber bezweifelt werden. Wir leben immernoch in einem Rechtsstaat, in welchem die Gerichte über Schuld und Unschuld entscheiden. Der aktuelle Fall hat eben bewiesen, dass Rudloff und Beretin über Jahre hinweg Zwang, Ausbeutung und Gewalt in ihren Häusern bzw. in deren Umfeld geduldet haben. Das Urteil ist daher angemessen. Über die Rechtmäßigkeit geschweige denn Zukunft der in Deutschland legalen Sexarbeit hat das Gericht indes nichts entschieden!

rde