Catherine Healy setzte sich jahrzehntelang für Legalisierung der Prostitution und sicheren Rechtsstatus von Sex-Arbeiterinnen ein

Neuseeland ist eines der aufgeschlossensten Länder in puncto Prostitution. Auch, weil dort Sexarbeit gesellschaftlich weitaus akzeptierter ist als im Gros der Nationen. Ähnlich wie in Deutschland wurden 2003 die Rahmenbedingungen der Prostitution, die bereits zuvor grundsätzlich legal war, weiter liberalisiert. Was es in Deutschland aber nicht gibt, ist eine Anerkennung der für die Rechte der Prostituierten eintretenden Aktivistinnen. Ganz im Gegenteil, sie werden häufig gar verunglimpft und verleumdet. Gegner und oftmals auch politische Vertreter stellen diese emanzipierten Frauen und Männer gar als von einer vermeintlichen „Rotlicht-Lobby“ bezahlte Marionetten dar.

Neuseeland machte es kürzlich anders. In dem Inselstaat im südlichen Pazifik wurde die 62-jährige Catherine Healy zur „Dame“ des neuseeländischen Verdienstordens erklärt. Anders gesagt wurde anlässlich des Geburtstages des Staatsoberhaupt geadelt. Denn dieses ist die britische Königin Elizabeth II – Neuseeland ist nämlich ein Königreich im Commonwealth of Nations. Geehrt wurde die ehemalige Sexarbeiterin für ihr jahrzehntelanges Engagement um eine Legalisierung der Prostitution und einen sicheren Rechtsstatus von Sex-Arbeiterinnen. Am Gesetz von 2003 hatte sie maßgeblichen Einfluss.

Auf der Liste der Ehrungen ist zu Healy folgendes geschrieben:

„For services to the rights of sex workers

Ms Catherine Healy was appointed National Coordinator of the New Zealand Prostitutes Collective (NZPC) in 1989, which was a voluntary role until 1992, and in this role she has built NZPC into a globally respected public health provider with six branches across New Zealand.

NZPC focuses on sex workers’ rights, HIV and Sexually Transmitted Infection prevention, and education. NZPC offers free sexual health clinics at their community bases. From 1989 she gathered support for a campaign to decriminalise prostitution from a wide variety of organisations including the Young Women’s Christian Association, National Council of Women, and the AIDS Foundation. In 1996 she established a cross-party grouping in Parliament to work with her and NGO leaders to catalyse law reform. She coordinated the group in developing a model Bill to safeguard the human rights and occupational safety of sex workers. The Bill was introduced in 2000 and passed in 2003. Post-decriminalisation she was appointed a member of the Prostitution Law Review Committee, which reported that sex workers were markedly better off under the Prostitution Reform Act. She has overseen the NZPC for 30 years and has provided personal support to local sex workers. Ms Healy is a member of the National HIV and AIDS Forum and a consultant for the World Health Organisation in relation to HIV prevention, and is frequently called upon to provide advice to government and non-government organisations globally.“

Da darf sich Deutschland mal eine Scheibe abschneiden…!

rmv

 

Nachtrag, 14.06.2018: Eine deutsche Aktivistin wurde ja doch ausgezeichnet…
Im März 2018 wurde der Stuttgarter Sozialarbeiterin und Leiterin der Prostituiertenbegegnungsstätte „SISTERS – für den Ausstieg aus der Prostitution! e.V.“ ser Barbara-Künkelin-Preis verliehen. Ein Preis für „Frauen oder Frauengruppen, die „zum Wohle der Allgemeinheit auf dem Gebiete besonders förderungswürdiger Zwecke vorbildlich tätig wurden“.

ABER: Constable betreut zwar Sexworkerinnen, ist hingegen eine ausgewiesende Prostitutionsgegnerin. Dabei schreckt sie auch nicht vor Falschbehauptungen, Verallgemeinerungen und Schwarz-Weiß-Denken zurück. Mehr zum Thema unter „Dogmatismus anstatt Feminismus“.