Sexpuppen-Bordell in Rusland eröffnet und die Presse springt aufs Pferd auf

Die Welt berichtete zuerst darüber: Der russische Unternehmer Dmitri Alexandrow eröffnete in der Hauptstadt die erste russische Filiale der spanischen Kette Lumidolls Sex Hotel. Sex mit Puppen. Vielleicht ein lukratives Modell in einem Land in dem Prostitution unter Strafe steht. So hofft es zumindest Alexandrow. Die Fußball-WM soll das Geschäft anheizen.

Soweit so unspektakulär. Was andere Onlinemagazine jedoch daraus machen ist unverschämt, weil falsch. Und das kennen wir leider zur Genüge:

„Wo Großereignisse sind, da blüht meist auch das Geschäft mit der käuflichen Liebe. Das dürfte auch bei der Fußballweltmeisterschaft 2018 so sein“,

schreibt derweil C. Lange auf dem Portal Web.de. Da ist er im übrigen nur einer von vielen… Dass solcherlei Behauptungen aber schon mehrfach widerlegt wurden, wird einfach nicht beachtet. Und es hindert leider jene (Möchtegern)Journalisten nicht daran, bei dieser (Falsch)Aussage zu bleiben. Beliebte Floskel ist auch jene vom angeblichen „El Dorado für das Sexgewerbe“.

Dass es keinen Anstieg der Prostitution bei internationalen Sportgroßereignissen gab – weder bei den WM 2006 (Deutschland), 2010 (Südafrika) und 2014 (Brasilien) noch bei EM und Olympia 2010, dazu haben wir hier im Blog bereits informiert. Leider nicht mehr abrufbar: ein Beitrag des Tagesschau-Blog aus dem Jahr 2012 mit dem Titel „Das Märchen vom boomenden Sextourismus“.

Schon allein C. Langes Überschrift „Sexpuppen für die Fans: So will Russland bei der WM die Prostitution bekämpfen“ ist irreführend. Denn nicht der russische Staat will die Sexpuppen etablieren, sondern einfach nur ein Geschäftsmann.

Wie ich solche dilletantischen und effekthascherischen Artikel leiden kann…

Wenn der Autor halt nichts weiß und nichts kann, dann macht er einfach mal was Halbwahres über das Rotlicht. Was es eigentlich bräuchte, das wird hingegen ausgelassen. Insbesondere die klare Auseinandersetzung mit dem zugrundeliegenden Problem. Denn das ist in Russland nicht etwa eine so oder so geartete Rotlichtszene bei diesem oder jenem Großereignis. Dass Sexarbeit in Russland unter Strafe steht, muss Gegenstand der Auseinandersetzung sein. Prostituierte werden so nämlich vehement ins Verborgene gedränkt. Nur mit etwaigem Bestechungsgeld ist es hin und wieder einzelnen finanzkräftigen Bordellen möglich, Ruhe vor den Behörden zu haben.

rmv