Der neueste Film von Regisseurin „Ovidie“ zeigt wie ein repressives Gesetz (Schwedisches Modell) und Behördenwillkür das Leben von Sexarbeiterinnen zur Hölle machen können.

Emotional und nachdenklich ist sie, die Dokumentation der Autorin und Regisseurin (und ehemalige Pornodarstellerin) Ovidie. „Wo Sexarbeiterinnen keine Rechte haben“ – so der Titel – berichtet über den Fall der Sexworkerin Eva-Marree Smith Kullander alias Petite Jasmine, welcher wegen ihrer Arbeit von den Behörden beide Kinder entzogen und dem gewalttätigen Vater übergeben wurden. Nach dreijährigem Rechtsstreit, als sie endlich wieder Ihre Kinder sehen darf, kommt es dann zur Katastrophe. Ihr Ex tötet sie vor den Augen ihres Sohnes, von Sozialarbeitern und weiteren Zeugen mit einem Küchenmesser. Seither leben die Kinder in geheimer Obhut – doch nicht etwa bei der nahen Verwandtschaft. Bis heute bekam auch die Großmutter der Kinder keinen Zugang…

Der Film zeigt die Machtlosigkeit Smith Kullanders sowie ihrer Mutter gegenüber der Macht der Behörden auf. Er thematisiert die Behördenwillkür und deren Uneinsichtigkeit, mehrmals fatale Fehler begangen zu haben. Er macht aufmerksam auf die allgemein in Schweden herrschende Stigmatisierung von Prostituierten und den den scheinbar verbreiteten Glauben, dass gewalttätige Väter die besseren Eltern sind als sich prostituierende Mütter.

„Wo Sexarbeiterinnen keine Rechte haben“ lässt das Opfer zu Wort kommen (Videoaufnahmen in der Zeit ihres Martyriums), ebenso deren Mutter, Sexwork-Aktivistinnen als auch den Anwalt der Familie.

Aber gerade weil der Film so emotional und oftmals sehr subjektiv ist – auch der Titel „Wo Sexarbeiterinnen keine Rechte haben“ ist schon sehr plakativ, muss man ihn auch als reißerisch beurteilen. Gleiches kritisieren wir ja auch stets bei ähnlichen Präzedenzfällen, die von Prostitutionsgegnern verwertet werden. „Keine Rechte“ ist schon deshalb übertrieben, weil es, wenn dem so wäre, nie zu Gerichtsverhandlungen gekommen wäre. Gegenstimmen kommen im Film zwar zu Wort, aber schon etwas zu kurz. Und dennoch sollte man sich die Arte-Produktion ansehen und nachdenken. Denn wenn auch nur ein Einzelfall (oder einer von wenigen), so zeigt Ovidie auf, wie gefährlich die gesellschaftliche Stigmatisierung von Minderheiten/Sexarbeiterinnen sein kann – ganz gleich wie konservativ oder liberal ein Gesetz auch ist.

Der knapp 1-stündige Film ist noch bis zum 07.04.2018 in der Arte-Mediathek zu sehen.

 

rmv