Beschweren reicht – Diskutieren ist überflüssig!

21/08/2013 | 15:44 Uhr

Öffentliche Werbung für Bordelle in Berlin bald nicht mehr möglich? Berliner Verkehrs Gesellschaft lässt Vertrag mit Artemis auslaufen

In Berlin wirbt u.a. das Großbordell Artemis für sich auf Bussen und Bahnen, doch damit soll bald Schluss sein, so der Wunsch etlicher Bürger und Stadtvertreter. So kam es auch laut Medienberichten, dass der Werbevertrag zwischen Verkehrsgesellschaft und Bordellbetreiber nicht verlängert werde.

Und warum? Immer wieder stören sich etliche Leute an öffentlicher Bordellreklame. Sie haben Angst, dass Kinder oder Jugentliche die Werbung sehen könnten und … Ja, was und? Bedenkt man aber, dass Rotlichtreklame an Bussen, Bahnen, Werbetafeln, Litfaßsäulen o.ä. um Welten seriöser, dezenter und professioneller ist, als das Bild ist, das die Öffentlichkeit vom Sexgewerbe hat, dann stimmt doch da was nicht, oder? Warum ist Bordell-Werbung, bei der kaum mehr als der Name des Bordells und ein netter Spruch zu finden ist, also schädlich für Kinder?

 

Folgendes mal gegenüber gestellt:

Hintergrund/Annahme:
– Prostitution allgemein ist in Deutschland legal und nicht mehr sittenwidrig. (Fakt)

– Das werbende Etablissement arbeitet seriös, zahlt steuern, schafft würdige Arbeitsbedingungen und ist ein Wirtschaftsunternehmen unter vielen

– Die Werbung verletzt keine Menschen-, Persönlichkeits- oder sonstige Rechte, sie ist weder pornografisch, noch gewalltverherrlichend oder rassistisch. Weder Bilder/Fotografien noch Texte/Worte auf der Reklame selbst fallen unter die Kategorie Jugendgefährdung.

 

Ängste/Argumente der Gegner:
– Kinder/Jugendliche könnten die Reklame sehen.

– Den Kindern, die die Werbung sehen, muss man dann evtl. noch was erklären.

– Diese Werbung muss eingedämmt bzw. untersagt werden.

– Dies ist ein Ärgernis für alle Bürgerinnen und Bürger

– Das ist Skandalös

– Die Frauen werden doch nur als Ware angesehen

So in etwa ist das Verhältnis zueinander. Die Werbenden sind um maximale Professionalität und Seriösität bemüht und die Gegner posaunen lediglich Schlagworte und Sprüche wie „skandalös“, „Unverschämtheit“ oder irgend einen Satz mit „Kindern“ heraus. Argumentation? Nicht zu finden. Beweise für die Behauptung, dass die Werbung schädlich ist? Müssen doch nicht erbracht werden, es reicht doch wenn man eine solche Behauptung aufstellt. Bereitschaft zur sachlichen Diskussion? Heute nicht.

Aber wo führt denn das hin, dass etwas verboten wird bzw. Werbeverträge nicht verlängert werden, nur aufgrund von Behauptungen und nicht belegter und begründeter Panikmache?
Gleichwohl finden immer, wenn ein solches Thema öffentlich wird, auch in diversen Chats und Foren Diskussionen statt. Erstaunlich, dass dabei die Mehrzahl der Leute keinerlei bzw. kaum Probleme mit Erotik-Werbung haben – sofern sie denn dezent gemacht ist. Beim Thema Sex versagt wohl das Prinzip der Mehrheit.

 

Meine Behauptungen:
– Fußballprofis sind die Huren der Vereine und Verbände. Ja, sie sind käuflich. Und nicht nur deren Körper!

– Gleiches gilt in Bezug auf Knebelverträge zwischen Produktionsfirmen/TV-Sendern/Managern und Sängern/Schauspielern/RTL-C-Promis. Wo bleibt da die Menschenwürde

– Da Kinder ja die Schaufenster von Unterwäscheläden, Erotikläden, Militärshops oder Werbeplakate für Filme ab 16/18 etc. sehen könnten …

– Auch hier: gleiches gilt für die Werbung für Zigaretten, Alkohol und Co. (gut, Diskussionen zu deren Verhinderung gibt es ja bereits. Und diese sind bei weitem sachlicher und professioneller als die zum hiesigen Thema)

– In jeglichen Medien machen derweil Astrologen, Reiki- und Geistheiler, Bachblüten-Therapeuten, Homöopatieanwender – die Liste ist beliebig erweiterbar – Werbung für sich und ihre Produkte. Dass hier aber kaum mehr als Aberglaube, Schwurbelmedizin, Wunschdenken verkauft wird, stört die wenigsten. Am wenigsten den Gesetzgeber. Früher nannte man sowas Scharlatanerie. Wie bitte erkläre ich das meinen Kindern?

Auch ich lasse das alles jetzt nur bei Behauptungen, aber so leicht wie manch sexualfeindliche  Person und die „ich-habe-Angst-meinem-Kind-etwas-über-die-Welt-erzählen-zu-müssen“-Leute werde ich es dabei wohl nicht haben. Jaja, Sex ist böse. Nicht diskutieren sondern Beschweren. Das können sie …

rmv